Freie Unterkunft/Wohnung – ortsüblicher Mietpreis oder amtlicher Sachbezugswert?!

Abgrenzung: Wohnungs-/Unterkunftsüberlassung | Reisekosten – Lohnsteuer | Christian Ziesel

Unterkunftsüberlassung – Mietpreis oder Sachbezugswert?!

In der Praxis stellt sich häufig die Frage, ob eine Wohnungs- oder Unterkunftsüberlassung bei Mitarbeitern vorliegt und wie diese steuerlich zu bewerten ist. Grundsätzlich ist ein geldwerter Vorteil aus der unentgeltlichen oder verbilligten Überlassung von Wohnraum steuer- und beitragspflichtiger Arbeitslohn (Arbeitsentgelt). Für die Bewertung ist allerdings zwischen Wohnung und Unterkunft zu unterscheiden.

Definitionen Wohnung und Unterkunft

In den Lohnsteuer-Richtlinien 8.1 Absatz 6 ist der Unterschied definiert:

Danach zählt als Wohnung  „ …eine in sich geschlossene Einheit von Räumen, in denen ein selbständiger Haushalt geführt werden kann. Es muss eine Wasserversorgung und -entsorgung, eine Kochgelegenheit (einer Küche vergleichbar) und eine Toilette vorhanden sein.“

Bei einer Mitbenutzung von Bad, Toilette und Küche wird dagegen von einer Unterkunft ausgegangen.

Bei einer Wohnung erfolgt die Bewertung des geldwerten Vorteils mit dem ortsüblichen Mietpreis.

Im Gegensatz dazu ist bei einer Unterkunft der amtliche Sachbezugswert anzusetzen. Dieser beträgt für eine freie Unterkunft für das Jahr 2012 monatlich 212 €.
Hier sind jedoch unbedingt die Regelungen des § 2 Sozialversicherungsentgeltverordnung zu beachten:

Der Wert der Unterkunft nach Satz 1 vermindert sich

1. bei Aufnahme des Beschäftigten in den Haushalt des Arbeitgebers oder bei Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft um 15 Prozent,

2. für Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres und Auszubildende um 15 Prozent und

3. bei der Belegung

   a) mit zwei Beschäftigten um 40 Prozent,

   b) mit drei Beschäftigten um 50 Prozent und

   c) mit mehr als drei Beschäftigten um 60 Prozent.

Und was wäre zu beachten, wenn der tatsächliche Wert der Unterkunft den amtlichen Sachbezugswert unterschreitet?

Ist es nach Lage des einzelnen Falles unbillig, den Wert einer Unterkunft nach Satz 1 zu bestimmen, kann die Unterkunft mit dem ortsüblichen Mietpreis bewertet werden.

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