Bewirtungsaufwendungen: als Werbungskosten eines Arbeitnehmers abzugsfähig?

OFD-Verfügung | Bewirtungskosten | Norma Ebeling-Kapitz
Bewirtungsaufwand: abzugsfähige Werbekosten?

Der Sommer hat sich endlich so mehr oder weniger eingestellt und es kann auch unter freiem Himmel gefeiert werden. Ein Arbeitnehmer möchte dies gleich nutzen, und die Kunden seines Arbeitsgeber auf dem neu gestalteten Firmengelände bewirten. Was Sie in solchen oder ähnlichen Fällen beim steuerlichen Abzug von Bewirtungsaufwendungen zugunsten des Arbeitsnehmers beachten müssen, dazu die nachfolgend wichtige Verfügung vom November vergangenen Jahres.

Mit Verfügung vom 29.11.2011 hat die Oberfinanzdirektion Niedersachsen erstmalig einige Grundsätze festgelegt, unter welchen Voraussetzungen von einem Arbeitnehmer veranlasste Bewirtungsaufwendungen im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung als Werbungskosten abzugsfähig sein können (OFD Niedersachsen, Verfügung vom 29.11.2011, S. 2350 – 32 – St 215).

Aus der OFD-Verfügung lassen sich die folgenden Grundsätze ableiten:
Allein die Tatsache, dass ein Arbeitnehmer eine Feier aus rein persönlichen Gründen ausrichtet, also z. B. Geburtstag oder Jubiläum, schließt nicht von vorneherein einen Werbungskostenabzug für die Bewirtungskosten aus. Auch wenn ein Arbeitnehmer keine erfolgsabhängigen Bezüge hat und sich damit für ihn keine ersichtliche berufliche Motivation ergibt, Kunden und Kollegen zu einem Essen einzuladen, lässt sich eine beruflich veranlasste Bewirtung nicht von vorneherein ausschließen. Insbesondere, wenn die Bewirtungsveranstaltung in den Räumlichkeiten des Arbeitgebers stattfindet, spricht dies unter Umständen für eine berufliche Veranlassung. Hingegen kann ein luxuriöser Rahmen, z. B. eine Jacht, ein Schlosssaal o. ä. als Merkmal für eine private Veranlassung sein.
Die Zusammensetzung des Teilnehmerkreises ist ein wichtiges Indiz für die berufliche oder private Veranlassung einer Bewirtungsveranstaltung. So spricht viel für eine berufliche Veranlassung, wenn der Teilnehmerkreis aus Geschäftspartnern des Arbeitgebers, Angehörigen des öffentlichen Lebens, Presse, Verbandsfunktionären und Arbeitskollegen besteht. Sofern der Arbeitgeber als Gastgeber auftritt und die Gästeliste ohne Mitspracherecht des Arbeitnehmers bestimmt, handelt es sich um eine vom Arbeitgeber veranlasste Veranstaltung. Eine berufliche Veranlassung kann sich auch für einen Abteilungsleiter oder angestellten Geschäftsführer ergeben, wenn die Motivation der von ihm bewirteten Mitarbeiter im Vordergrund steht.
Die Aufwendungen für eine gemischt veranlasste Bewirtung können ggf. in einen beruflich und privat veranlassten Anteil aufgeteilt werden. Die Abzugsbeschränkung für die geschäftlich veranlassten Bewirtungsaufwendungen in Höhe von 70 % gilt nicht, wenn aus allgemein beruflichen Gründen bewirtet wird. Die hundertprozentige Berücksichtigung findet danach in den Fällen eines vom Arbeitgeber veranstalteten Festes statt. Auch beim Vorliegen von variablen Bezügen des Arbeitnehmers und einer Bewirtung von Kollegen aus Motivationsgründen oder einer Bewirtung von Arbeitnehmern des Arbeitgebers kann eine Berücksichtigung zu 100 % der entstandenen Aufwendungen als Werbungskosten gegeben sein.

Praxishinweis:
Mit der Verfügung hat die Oberfinanzdirektion Niedersachsen einige Grundsätze dargestellt, die für einen erfolgreichen Werbungskostenabzug von Bewirtungsaufwendungen, die vom Arbeitnehmer direkt getragen und eben nicht vom Arbeitgeber erstattet worden sind, wichtig sind.
Dabei gilt weiter zu beachten, dass auch bei einem Werbungskostenabzug einer vom Arbeitnehmer getragenen beruflich veranlassten Bewirtung die strengen Nachweis- und Dokumentationspflichten für Bewirtungen einzuhalten sind.

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