Selbst getragene Benzinkosten auch bei 1%-Methode abziehbar?

Fahrtkosten | Dienstwagen | 1%-Methode

TankanzeigeDie Düsseldorfer Finanzrichter hatten im Urteil vom 04.12.2014 (Az. 12 K 1073/14 E) darüber zu entscheiden, wie es mit der Abziehbarkeit von selbst getragenen Benzinkosten eines Arbeitnehmers aussieht.

Hier stellte sich die Frage, inwieweit diese Kosten insgesamt als Werbungskosten abziehbar sind, auch wenn die Privatnutzung nach der 1%-Methode bewertet wird.

Hintergrund

Ein Außendienstmitarbeiter erhielt im Streitjahr 2012 von seinem Arbeitgeber einen Dienstwagen, dessen Benzinkosten er selbst zu tragen hatte. Ihm war auch die Privatnutzung des Pkw gestattet. Der Arbeitgeber ermittelte für die Lohnsteuer den geldwerten Vorteil aus der Kfz-Überlassung nach der 1%-Regelung; ein geldwerter Vorteil nach § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG wurde in Ermangelung einer regelmäßigen Arbeitsstätte nicht erfasst.

Das beklagte Finanzamt lehnte den Abzug der Aufwendungen ab. Denn ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch liege nicht vor, da das Fahrtenbuch beruflich und privat veranlasste Fahrten enthalte, ohne dass der Kilometerstand beim Übergang von der einen zur anderen Nutzung angegeben worden sei, das Fahrtenbuch lediglich Ortsnamen als Zielangabe, nicht hingegen genaue Adressen enthalte, Tankfahrten nicht eingetragen seien und das Fahrtenbuch als Urlaub eingetragenen Zeiträume enthalte, für die der Kläger aber angeblich allein durch berufliche Fahrten veranlasste Tankrechnungen geltend gemacht habe.

Zur Urteilsbegründung

Die unentgeltliche oder verbilligte Überlassung eines Dienstwagens durch den Arbeitgeber an den Arbeitnehmer für dessen Privatnutzung führt zu einem bei den Einkünften nach § 19 Abs. 1 Satz 1 EStG als Arbeitslohn zu erfassenden Sachbezug.

Der geldwerte Vorteil für die Privatnutzung eines vom Arbeitgeber auch für diese Zwecke überlassenen Dienstwagens ist der Höhe nach mit der 1%-Regelung zu bewerten, sofern nicht das Verhältnis der Privatfahrten zu den übrigen Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachgewiesen wird (§ 8 Abs. 2 Sätze 2–4 i. V. m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG).

Laut den Düsseldorfer Finanzrichtern seien die vom Kläger getragenen Benzinkosten  trotz Bewertung der Privatnutzung nach der 1%-Methode insgesamt als Werbungskosten abziehbar.

Auf berufliche Fahrten entfallende Benzinkosten

Dies gilt für die auf berufliche Fahrten entfallenden Benzinkosten, da sie zur Erzielung des in Barlohn bemessenen Teils des Arbeitslohns (Festgehalt und Provision) aufgewendet wurden und als durch diese Einnahmen veranlasste Werbungkosten nach allgemeinen Grundsätzen gem. § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG abziehbar sind (vgl. auch BFH, Urteil vom 18.10.2007, Az. VI R 59/06, BStBl. II 2009, 200 unter II.1.b) letzter Satz für den Abzug von Zuzahlungen zu Anschaffungskosten als Werbungskosten).

Für die Privatfahrten aufgewendete Benzinkosten

Aber auch die für die Privatfahrten aufgewendeten Benzinkosten sind als Werbungskosten gem. § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG abziehbar, da sie zum Erwerb von Sachlohn in Gestalt der privaten Kfz-Nutzung aufgewendet wurden (so für einzelne vom Arbeitnehmer getragene Aufwendungen, wenn der Nutzungsvorteil nach der Fahrtenbuchmethode ermittelt wird; BFH, Urteil vom 18.10.2007, Az. VI R 57/06, BStBl. II 199 unter II.1.a) letzter Satz; so für den Abzug von Zuzahlungen zu Anschaffungskosten als Werbungskosten bei Ermittlung des Nutzungswerts nach der 1%-Regelung; BFH, Urteil vom 18.10.2007, Az. VI R 59/06).

Nach der BFH-Rechtsprechung sind einzelne, vom Arbeitnehmer selbst getragene Betriebskosten des Pkw als Werbungskosten zur Erlangung des privaten Nutzungsvorteils abziehbar, wenn die durch den Pkw insgesamt entstehenden Aufwendungen durch Belege und das Verhältnis zwischen Privatfahrten zu den Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte und den übrigen Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachgewiesen werden (z. B. BFH, Urteil vom 18.10.2007, Az. VI R 96/04). Demgegenüber können individuell vom Arbeitnehmer getragene Kfz-Kosten bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils nach der 1%-Methode nicht abgezogen werden. Allerdings sind Zuzahlungen zu den Anschaffungskosten auch bei der Pauschalermittlung des Werts der Privatnutzung als Werbungskosten abziehbar (BFH, Urteil vom 18.10.2007, Az. VI R 59/06). Pauschale an den Arbeitgeber gezahlte Nutzungsentgelte mindern den Wert der Einnahme, da es insoweit an dem für eine Einnahme i. S. v. § 8 Abs. 1 EStG erforderlichen Tatbestandsmerkmal einer Bereicherung fehlt (BFH, Urteil vom 07.11.2006, Az. VI R 95/04).

Das heißt also: Benzinkosten, die von einem Außendienstmitarbeiter selbst getragen werden, sind insgesamt als Werbungskosten abziehbar, auch wenn die Privatnutzung nach der 1%-Methode bewertet wird.

Das FG Düsseldorf hat die Revision zum BFH (Az. VI R 2/15; vgl. „Firmenwagen: Zuzahlung des Arbeitnehmers und der geldwerte Vorteil“) zugelassen.

Quelle: FG Düsseldorf, Urteil vom 04.12.2014 (Az. 12 K 1073/14 E)

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