Golfevents und der Betriebsausgabenabzug

Repräsentionsaufwendungen | Betriebsausgaben | Veranstaltung

Lädt ein Unternehmen Kunden und Geschäftspartner zu einer Partie Golf ein, ist die Frage zu klären, wie es mit dem Betriebsausgabenabzug aussieht. Zwei Entscheidungen dazu hatte der BFH Ende Februar 2016 veröffentlicht (Az. IV R 24/13 und I R 74/13).

Darin nahm der BFH Stellung, wann Unternehmer Aufwendungen im Zusammenhang mit der Veranstaltung von Golfturnieren als Betriebsausgaben abziehen können. Im Urteilsfall war eine Versicherungsagentur vom Betriebsausgabenabzugsverbot betroffen, eine Brauerei dagegen nicht.

Hintergrund: Kein Abzug von Repräsentationsaufwendungen

Nach Auffassung des BFH sind durch den Betrieb veranlasste Aufwendungen grundsätzlich von den Betriebseinnahmen abzuziehen. Laut EStG werden aber Ausnahmen bei solchen Kosten gemacht, die mit der gesellschaftlichen Stellung des Unternehmers oder seiner Geschäftspartner zusammenhängen (sog. Repräsentationsaufwendungen): Nicht als Betriebsausgabe abziehbar sind danach „Aufwendungen für Jagd oder Fischerei, für Segeljachten oder Motorjachten sowie für ähnliche Zwecke und für die hiermit zusammenhängenden Bewirtungen“ (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG).

Zwei Urteilsfälle im Zusammenhang mit einer Partie Golf

Urteil vom 16.12.2015, Az. IV R 24/13: Aufwendungen für ein Golfturnier unterliegen dem Abzugsverbot

Auch Aufwendungen, die für die Ausrichtung von Golfturnieren anfallen, gehören nach BFH-Rechtsprechung dazu. Dies gilt selbst dann, wenn das Event wie im ersten Urteilsfall in Verbindung mit einer Wohltätigkeitsveranstaltung durchgeführt wird und die Veranstaltung neben Werbezwecken auch oder sogar überwiegend dazu dient, Spenden für die Finanzierung einer Wohltätigkeitsveranstaltung zu generieren (BFH, Urteil vom 16.12.2015, Az. IV R 24/13). Damit seien die Veranstaltungskosten keine Betriebsausgaben. Hätte der Unternehmer der betroffenen Versicherungsagentur unmittelbar für den guten Zweck gespendet, wäre immerhin ein Abzug als Spende möglich gewesen.

Urteil vom 14.10.2015, Az. I R 74/13: Aufwendungen für eine Golfturnierreihe als abziehbare Betriebsausgaben

Im zweiten Fall, in dem eine Golfturnierreihe mit 20 Veranstaltungen vornehmlich den Warenabsatz einer Brauerei sichern sollte, entschied der BFH dagegen zugunsten des Betriebsausgabenabzugs (BFH, Urteil vom 14.10.2015, Az. I R 74/13): Die Brauerei unterstützte die Golfvereine finanziell bei der Durchführung einer nach der Brauerei benannten Serie von Golfturnieren. Die Turniere hatten ausschließlich den Zweck, den Warenabsatz zu sichern, so die Entscheidung des BFH. Ein Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Stellung der Brauerei und deren Geschäftspartnern (Vereine und Gastronomiebetriebe) sei rein zufällig – im Hinblick auf die Anzahl der Turniere falle dieser aber nicht ins Gewicht.

 

Das heißt also:

  • Aufwendungen für die Durchführung eines Golfturniers einschließlich der Aufwendungen für die Bewirtung der Turnierteilnehmer und Dritter im Rahmen einer sich an das Golfturnier anschließenden Abendveranstaltung sind nicht abziehbare Betriebsausgaben gem. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG. Dies gilt auch dann, wenn beide Veranstaltungen auch dem Zweck dienen, Spenden für die Finanzierung einer Wohltätigkeitsveranstaltung zu generieren.
  • Zwar können Aufwendungen, die durch das Veranstalten eines Golfturniers veranlasst worden sind, einen den Aufwendungen für Jagd oder Fischerei, für Segel- oder Motorjachten „ähnlichen Zweck“ erfüllen und dadurch den Ausschluss des Betriebsausgabenabzugs nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG 2002 auslösen. Dies gilt aber nicht für Aufwendungen im Zusammenhang mit einer Golfturnierreihe (hier: 20 Veranstaltungen) mit freier Teilnahmemöglichkeit für jeden Interessenten, zu deren Finanzierung sich ein Brauereibetrieb gegenüber seinen Geschäftspartnern im Rahmen von Bierliefervereinbarungen vertraglich verpflichtet.

Quellen: BFH, Pressemitteilung vom 24.02.2016 (Nr. 19/2016) bzw. Urteile vom 16.12.2015 (Az. IV R 24/13) und vom 14.10.2015 (Az. I R 74/13)

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