Umzug: Wenn der Job ihn nötig macht

berufsbedingter Umzug | Werbungskosten | Arbeitsweg

Das FG Köln entschied mit Urteil vom 24.02.2016 (3 K 3502/13), dass die Erreichbarkeit der Arbeitsstätte ohne Verkehrsmittel zu einem beruflich veranlassten Umzug führen kann. Warum hat sich das Finanzgericht in dem Urteilsfall einer beamteten Lehrerin, die an einem Berufskolleg unterrichtete, so entschieden?

Hintergrund

Umzugskosten sind bei den Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit als Werbungskosten abzuziehen, wenn die berufliche Tätigkeit des Steuerpflichtigen der entscheidende Grund für einen Umzug ist und private Umstände dabei allenfalls eine ganz untergeordnete Rolle spielen.

Werbungskosten sind über den Wortlaut von § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG hinaus zum Zweck der Gleichbehandlung mit Betriebsausgaben (§ 4 Abs. 4 EStG) Aufwendungen, die durch das Erzielen von Einkünften i.S.d. § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4–7 EStG veranlasst sind. Eine solche Veranlassung liegt dann vor, wenn die Aufwendungen in wirtschaftlichem Zusammenhang mit einer der Einkunftsarten stehen – wie bei einem berufsbedingten Umzug.

Zum Urteil

Eine beamtete Lehrerin, die an einem Berufskolleg tätig war und vorher im Stadtteil F (R-Straße) zur Miete gewohnt hatte, zog mit ihrer Familie in eine Eigentumswohnung im Stadtteil M (P-Straße).  Ihren alten Arbeitsweg (500m Fußweg zur U-Bahn (10-Minuten-Takt), 8 Minuten U-Bahn-Fahrt, 400m Fußweg) konnte sie so auf 100m Fußweg reduzieren. Die Klägerin machte in ihrer Steuererklärung Werbungskosten in Höhe von 3.940 EUR für einen berufsbedingten Umzug geltend. Das Finanzamt erkannte diese nicht an, da sich durch den Umzug der Arbeitsweg der Klägerin nicht um mindestens eine Stunde verkürzt hatte.

Zur Begründung

Das Finanzgericht gab der Klage der Lehrerin statt. Es sah die Tatsache bestätigt, dass die Tätigkeit der Klägerin als Lehrerin am städtischen Berufskolleg der entscheidende Grund für den Umzug war und private Umstände hier eine ganz untergeordnete Rolle spielten.

Die Rechtsprechung fordert als objektiv und leicht feststellbares Kriterium für berufsbedingte Umzugskosten, das typischerweise auf eine berufliche und gegen eine private Veranlassung schließen lässt, grundsätzlich eine wesentliche Verkürzung der Wegezeit. Die Zeitersparnis durch den Umzug muss mindestens eine Stunde täglich betragen (Hin- und Rückfahrt). In diesem Fall treten alle privaten Begleitumstände, die mit einem Umzug ansonsten einhergehen, regelmäßig in den Hintergrund und können vernachlässigt werden. Muss der Arbeitnehmer den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz  mehrmals am Tag zurücklegen (z.B. aufgrund von Besprechungen in den Abendstunden wie im Urteilsfall), sind für die Berechnung der Ersparnis auch diese Fahrten zu berücksichtigen.

Die „Erreichbarkeit der Arbeitsstätte ohne Verkehrsmittel“ kann lt. Rechtsprechung in Ausnahmefällen ebenfalls zu einer wesentlichen sonstigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen führen: Dann kann selbst eine Zeitersparnis von weniger als eine Stunde für die Annahme einer berufsbedingten Veranlassung der Umzugskosten ausreichen (BFH-Beschluss vom 02.02.2000 – X B 80/99, BFH/NV 2000, 945; vgl. auch FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 21.06.1995 – 1 K 2702/92, EFG 1995, 1048, rkr.). Es ist weder erforderlich, dass der Umzug mit einem Arbeitsplatzwechsel im Zusammenhang steht, noch dass er vom Arbeitgeber gefordert wurde.

Auf die berufliche Situation des Ehemanns der Klägerin und insbesondere dessen Wegezeiten von der Wohnung zur Arbeitsstätte kam es nicht an. Bei der Abgrenzung, ob Umzugskosten eines verheirateten Arbeitnehmers nahezu ausschließlich beruflich veranlasst sind oder nicht, sind die Fahrzeitveränderungen von Ehegatten nicht zu saldieren.

Quelle: Urteil des FG Köln vom 24.02.2016 (3 K 3502/13)

Schreibe einen Kommentar