Die Frage nach der Absetzbarkeit von Ausstellungsbesuchen

Ausstellungsbesuche | Werbungskosten

Modern Galerie DesignDas Finanzgericht Baden-Württemberg hat entschieden, wie bei Aufwendungen einer Kunstlehrerin, die Ausstellungen oder Vernissagen besucht, vorzugehen ist (13 K 2981/13).

Was bedeutet das nun für die Abzugsfähigkeit der Aufwendungen für den Besuch kultureller Veranstaltungen?

Hintergrund

Nach § 9 Abs. 1 Sätze 1 und 2 EStG sind Werbungskosten Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen und bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie entstanden sind.

Beruhen die Aufwendungen hingegen nicht oder in nur unbedeutendem Maße auf beruflichen Umständen, so sind sie nicht abziehbar (vgl. BFH, Beschluss vom 21.09.2009 – GrS 1/06, BFHE 227, 1, BStBl. II 2010, 672 und vom 04.07.1990 – GrS 2-3/88, BFHE 161, 290, BStBl II 1990, 817 unter C. II. 2. b aa und bb).

Zum Urteil

Die klagende Lehrerin unterrichtete als Oberstudienrätin das Fach Bildende Kunst an einem Gymnasium und war gleichzeitig als freiberufliche Kunstmalerin tätig (letzteres stufte das Finanzamt allerdings als „Liebhaberei“ ein; denn die Klägerin erwirtschaftete hier ausschließlich Verluste, die einkommensteuerrechtlich nicht anerkannt wurden – die künstlerische Betätigung wurde in den dienstlichen Beurteilungen aber anerkennend hervorgehoben).

Für den Besuch verschiedener Kunstausstellungen, zu denen sie teilweise persönlich eingeladen wurde, machte die Klägerin die dabei entstandenen Kosten zur Hälfte als Werbungskosten bei ihren Einkünften als Lehrerin steuerlich geltend (Beiträge zum Kunstverein, Eintrittsgelder, Fahrtkosten, Parkgebühren).Schließlich würden die Erkenntnisse aus den Ausstellungen ihrer Fortbildung dienen, unmittelbar in die Gestaltung ihres Unterrichts einfließen und ihrem beruflichen Weiterkommen dienen. Das Finanzamt lehnte die Berücksichtigung jedoch insgesamt ab.

Zur Begründung

Das Finanzgericht Baden-Württemberg wies die dagegen gerichtete Klage ab. Es vertrat die Ansicht, dass Aufwendungen für den Besuch kultureller Veranstaltungen nur dann steuerlich abzugsfähig seien, wenn sie nahezu ausschließlich beruflich veranlasst sind. Eine ausschließlich berufliche Veranlassung lag in dem Urteilsfall aber nicht vor, denn es sei nicht davon auszugehen, dass die Klägerin als kulturell interessierte Bürgerin derartige Veranstaltungen losgelöst von ihrer beruflichen Tätigkeit nicht besucht hätte bzw. besuchen würde. Außerdem hätte die Lehrerin selbst nur 50 % der Kosten steuerlich geltend gemacht. Auch eine Aufteilung der Kosten in einen beruflichen und privaten Teil komme nicht in Betracht, da es sich um einheitliche Veranstaltungen handele, die sowohl aus beruflichem als auch aus privatem Interesse besucht wurden, und jeder prozentuale Aufteilungsmaßstab willkürlich wäre. Hier liegen keine objektiven Kriterien zur Aufteilung vor, wo der berufliche Anteil beim Ausstellungsbesuch endet und wann der private Teil beginnt.

Damit sind die Aufwendungen für den Besuch von Kunstausstellungen und Vernissagen bei einer Kunstlehrerin weder voll noch zur Hälfte als Werbungskosten steuerlich abzugsfähig.

Eine Revision wurde nicht zugelassen.

Quellen: FG aktuell – Neues aus dem Finanzgericht Baden-Württemberg Nr. 2/2016 und Urteil des FG Baden-Württemberg vom 19.02.2016 (13 K 2981/13)

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