Die Frage nach der Absetzbarkeit von Ausstellungsbesuchen

Ausstellungsbesuche | Werbungskosten | Abzugsfähigkeit

Modern Galerie DesignDas Finanzgericht Baden-Württemberg hat am 19.02.2016 entschieden, wie bei Aufwendungen einer Kunstlehrerin, die Ausstellungen oder Vernissagen besucht, vorzugehen ist (Az. 13 K 2981/13).

Was bedeutet das nun für die Abzugsfähigkeit der Aufwendungen für den Besuch kultureller Veranstaltungen, wenn diese (nur) teilweise berufsbedingt sind?

Hintergrund

Nach § 9 Abs. 1 Sätze 1 und 2 EStG sind Werbungskosten Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung sowie Erhaltung der Einnahmen und sie sind bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie entstanden sind.

Beruhen die Aufwendungen hingegen nicht oder in nur unbedeutendem Maß auf beruflichen Umständen, sind sie nicht abziehbar (vgl. BFH, Beschlüsse vom 21.09.2009, Az. GrS 1/06, BFHE 227, 1, BStBl. II 2010, 672, und vom 04.07.1990, Az. GrS 2-3/88, BFHE 161, 290, BStBl II 1990, 817 unter C. II. 2. b aa und bb).


Tipp: Welche drei allgemeinen Grundsätze zur steuerlichen Beurteilung das BMF mit seinem Schreiben vom 06.07.2010 auf Grundlage des Beschlusses des Großen Senats des BFH vom 21.09.2009 (Az. GrS 1/06) zur Aufteilung gemischter Aufwendungen (v. a. gemischter Reisekosten) aufgestellt hat, zeigt das Praxishandbuch „Das aktuelle Reisekosten- und Bewirtungsrecht“ (hg. von Daniela Karbe-Geßler) – mit Fakten und Praxisbeispielen rund um die Reisekostenabrechnung.


Zum Urteil

Die klagende Lehrerin unterrichtete als Oberstudienrätin das Fach Bildende Kunst an einem Gymnasium und war gleichzeitig als freiberufliche Kunstmalerin tätig. Letzteres stufte das Finanzamt allerdings als „Liebhaberei“ ein; denn die Klägerin erwirtschaftete hier ausschließlich Verluste, die einkommensteuerrechtlich nicht anerkannt wurden – die künstlerische Betätigung wurde in den dienstlichen Beurteilungen aber anerkennend hervorgehoben.

Für den Besuch verschiedener Kunstausstellungen, zu denen sie teilweise persönlich eingeladen worden war, machte die Klägerin die dabei entstandenen Kosten zur Hälfte als Werbungskosten bei ihren Einkünften als Lehrerin steuerlich geltend (Beiträge zum Kunstverein, Eintrittsgelder, Fahrtkosten, Parkgebühren).Schließlich würden die Erkenntnisse aus den Ausstellungen ihrer Fortbildung dienen, unmittelbar in die Gestaltung ihres Unterrichts einfließen und ihrem beruflichen Weiterkommen dienen. Das Finanzamt lehnte die Berücksichtigung jedoch insgesamt ab.

Zur Begründung

Das Finanzgericht Baden-Württemberg wies die dagegen gerichtete Klage ab. Es vertrat die Ansicht, dass Aufwendungen für den Besuch kultureller Veranstaltungen nur dann steuerlich abzugsfähig seien, wenn sie nahezu ausschließlich beruflich veranlasst sind. Eine ausschließlich berufliche Veranlassung lag in dem Urteilsfall aber nicht vor, denn es sei nicht davon auszugehen, dass die Klägerin als kulturell interessierte Bürgerin derartige Veranstaltungen losgelöst von ihrer beruflichen Tätigkeit nicht besucht hätte bzw. besuchen würde.

Außerdem hätte die Lehrerin selbst nur 50 % der Kosten steuerlich geltend gemacht. Auch eine Aufteilung der Kosten in einen beruflichen und privaten Teil komme nicht in Betracht, da es sich um einheitliche Veranstaltungen handele, die sowohl aus beruflichem als auch aus privatem Interesse besucht wurden, und jeder prozentuale Aufteilungsmaßstab willkürlich wäre. Hier liegen keine objektiven Kriterien zur Aufteilung vor, wo der berufliche Anteil beim Ausstellungsbesuch endet und wann der private Teil beginnt.

Das heißt also: Aufwendungen für den Besuch von Kunstausstellungen und Vernissagen bei einer Kunstlehrerin sind weder voll noch zur Hälfte als Werbungskosten steuerlich abzugsfähig.

Nur im Ausnahmefall können Aufwendungen für den Besuch kultureller Veranstaltungen, die grds. dem Bereich der privaten Lebensführung zuzurechnen sind, als Werbungskosten abzugsfähig sein – und zwar dann, wenn sie „ihrer Art und Gestaltung nach ausgesprochen auf den Fortbildungszweck ausgerichtet sind“ (BFH, Urteil vom 08.02.1971, BStBl. 1971 II S. 368).

Eine Revision wurde nicht zugelassen.

Quellen: Finanzgericht Baden-Württemberg, FG aktuell – Neues aus dem Finanzgericht Baden-Württemberg Nr. 2/2016 und Urteil vom 19.02.2016 (Az. 13 K 2981/13)

 

 

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