Das Job-Ticket und die Erstattung von Fahrtkosten zur ersten Tätigkeitsstätte

Geldwerter Vorteil | Sachbezugsfreigrenze | monatlicher Zufluss

Wie sieht es aus, wenn der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer den Fahrausweis für öffentliche Verkehrsmittel zu einem mit den Verkehrsbetrieben ausgehandelten Preis überlässt?

Nicht nur der geldwerte Vorteil, sondern auch die Regelungen zum Vorsteuerabzug sind hier zu beachten.

Wenn der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern die Aufwendungen für die Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte erstattet, kann er dies grundsätzlich nur steuer- und sozialversicherungspflichtig abrechnen – und zwar unabhängig davon, ob die Aufwendungen für die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder von einem privaten Fahrzeug des Arbeitnehmers erfolgen.

Dies gilt auch, wenn der Arbeitgeber einen Zuschuss zu den Fahrtkosten des Arbeitnehmers leistet. Der daraus entstehende Arbeitslohn kann entweder vom Arbeitnehmer individuell in seiner Gehaltsabrechnung versteuert werden oder der Arbeitgeber kann unter bestimmten Umständen eine Pauschalierung der Lohnsteuer hierfür vornehmen.

Wenn der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer den Fahrausweis für öffentliche Verkehrsmittel – sog. Job-Ticket – zu einem mit den Verkehrsbetrieben ausgehandelten Preis überlässt, entsteht insofern kein Arbeitslohn.

Erstattung von Fahrtkosten

Übliche Mengenrabatte, die das Verkehrsunternehmen nicht nur einem Arbeitsgeber, sondern auch anderen Kunden, die selbst oder über ihre Mitarbeiter eine entsprechende Anzahl von Job-Tickets abnehmen, sind kein Arbeitslohn. Auch Serviceentgelte (z.B. für die Übernahme der Pflege der Kundendaten) oder Aufwandspauschalen (z.B. Abwicklung des Zahlungsverkehrs) für die Verwaltung des Job-Tickets ans Verkehrsunternehmen werden dem Mitarbeiter nicht als geldwerter Vorteil zugerechnet. Denn solche Zahlungen gehören nicht zu dem mit dem Verkehrsträger vereinbarten Preis.

Sobald jedoch der Arbeitnehmer das Ticket unentgeltlich oder verbilligt vom Arbeitgeber erhält, liegt in Höhe der Vergünstigung ein geldwerter Vorteil vor. Dieser ist steuerpflichtig zu behandeln. Es ist möglich, auf diesen geldwerten Vorteil die 96%-Regelung und die Sachbezugsfreigrenze von 44,00 Euro pro Monat anzuwenden (§ 8 Abs. 2 Satz 9 EStG).

Beispiel:

Üblicher Preis für die Monatsfahrkarte 100,00 EUR
Vom Verkehrsträger gewährte Ticketermäßigung von 5% 5,00 EUR
Differenz = 95,00 EUR
Davon 96 % (R 8.1 Abs. 2 Satz 3 LStR) 91,20 EUR
Zahlung des Mitarbeiters – 50,00 EUR
Geldwerter Vorteil = 41,20 EUR

Die 41,20 EUR können bei einem monatlichen Zufluss im Rahmen der 44,00-EUR-Sachbezugsfreigrenze steuerfrei bleiben.

Wann liegt ein monatlicher Zufluss des geldwerten Vorteils vor?

Dies ist dann der Fall, wenn

  • dem Mitarbeiter monatlich ein Ticket mit einem Gültigkeitszeitraum für einen Monat ausgehändigt wird,
  • wenn das Ticket zwar für einen längeren Zeitraum gilt, aber jeden Monat aktiviert bzw. freigeschalten wird,
  • wenn eine monatliche Fahrberechtigung durch die rechtzeitige monatliche Zahlung erworben wird,
  • wenn das Job-Ticket monatlich kündbar ist – reine Sonderkündigungsbedingungen (z.B. für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses oder bei vertragswidrigem Verhalten) reichen dafür jedoch nicht aus,
  • wenn das Job-Ticket eine Laufzeit von jeweils einem Kalendermonat hat, die sich jeweils um einen Monat verlängert, solange der Arbeitgeber oder der Mitarbeiter der Verlängerung nicht widerspricht.

Hinweis: Wenn das Ticket für einen längeren, unkündbaren Zeitraum gültig ist, entsteht der geldwerte Vorteil bereits in voller Höhe des Gegenwerts für das Ticket im erstmaligen Zeitpunkt der Überlassung. Damit ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Freigrenze für die Sachbezüge von 44,00 Euro überstiegen wird und das gesamte Ticket zu versteuern ist. Diese Fälle sollten deshalb in der Praxis möglichst vermieden werden.

Wann liegt kein monatlicher Zufluss des geldwerten Vorteils vor?

Kein monatlicher Zufluss liegt dagegen dann vor,

  • wenn die Job-Ticket-Vereinbarung vom Mitarbeiter oder Arbeitgeber nur jeweils zum Ende eines Vertragsjahres gekündigt werden kann – der Zuflusszeitpunkt ist in diesem Fall der erste Gültigkeitstag des Job-Tickets – bzw.
  • bei Rückgabe eines bereits versteuerten Job-Tickets an den Verkehrsträger (negativer Arbeitslohn im Lohnzahlungszeitraum der Rückgabe)

Wie sieht es mit der Vorsteuer aus?

Sowohl beim Ersatz von Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte an den Arbeitnehmer als auch beim Kauf von Job-Tickets, die der Arbeitgeber an seine Arbeitnehmer für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte weitergibt, steht dem Arbeitgeber grundsätzlich kein Vorsteuerabzug aus den Fahrausweisen zu, da die Beförderungsleistung nicht an ihn erbracht wird. Zwar werden Job-Tickets vom Arbeitgeber direkt erworben, jedoch nur, um dem Arbeitnehmer im Zuge eines Rahmenvertrags mit einem Beförderungsunternehmen einen vergünstigten Preis zu ermöglichen. Die tatsächliche Leistung (Beförderung) wird hier an den Arbeitnehmer und nicht an den Arbeitgeber erbracht.

Für die Erstattung von Fahrtkosten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Rahmen einer beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit des Arbeitnehmers kann der Arbeitgeber dagegen die Vorsteuer aus den Aufwendungen für öffentliche Verkehrsmittel unter den Voraussetzungen der §§ 14, 14a und 15 UStG ziehen. In diesem Fall war der Arbeitnehmer für das Unternehmen des Arbeitgebers beruflich unterwegs. Es liegt somit aus umsatzsteuerlicher Sichtweise ein anderer Fall vor.

Quellen: „Das aktuelle Reisekosten- und Bewirtungsrecht“, Teilnehmerskript zum Seminar „Das aktuelle Reisekosten- und Bewirtungsrecht 2018“ von Susanne Weber

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