Häusliches Arbeitszimmer: Wie sieht es mit gemischt genutzten Räumen aus?

Home-Office | Aufwendungen | BFH-Beschluss

Häusliches ArbeitszimmerDiese Frage klärte der Große Senat des BFH in seinem Beschluss vom 27.07.2015 (GrS 1/14), der am 27.01.2016 nun veröffentlicht worden ist.

Danach setzt ein häusliches Arbeitszimmer – oder Home-Office – neben einem büromäßig eingerichteten Raum voraus, dass es ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt wird. Und was ist, wenn dies nicht der Fall ist? Dann können die Aufwendungen hierfür insgesamt nicht abgezogen werden – mit der Folge, dass eine Aufteilung und anteilige Berücksichtigung im Umfang der betrieblichen oder beruflichen Verwendung ausscheidet.

Hintergrund:

Die Grundsatzentscheidung betrifft die Abzugsbeschränkung, die mit dem Jahressteuergesetz 1996 eingeführt wurde. In seiner heute geltenden Fassung sind Aufwendungen für häusliche Arbeitszimmer nur dann abziehbar, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dabei können grundsätzlich maximal 1.250 EUR abgezogen werden; ein weitergehender Abzug ist nur möglich, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Betätigung bildet (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG).

Der BFH hatte zu entscheiden, ob Kosten für einen Wohnraum – 60 % wurden zur Erzielung von Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung genutzt, 40 % privat – anteilig als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abziehbar sind.

 

Zum Urteil:

Seine Entscheidung begründet der Große Senat neben dem allgemeinen Wortverständnis damit, dass der Gesetzgeber ausweislich der Gesetzgebungsmotive ausdrücklich an den herkömmlichen Begriff des „häuslichen Arbeitszimmers“ angeknüpft hat. Dieser Begriff setze aber seit jeher voraus, dass der Raum wie ein Büro eingerichtet ist und ausschließlich oder nahezu ausschließlich zur Erzielung von Einnahmen genutzt wird.

Diese Auslegung dient nach Auffassung des BFH

  • zu einer sachgerechten Abgrenzung des betrieblichen bzw. beruflichen vom privaten Bereich,
  • zur Unterbindung von Gestaltungsmöglichkeiten und
  • zur Erleichterung des Verwaltungsvollzugs.

Bei einer Aufteilung sind diese Ziele nicht zu erreichen: Denn der Umfang der jeweiligen Nutzung innerhalb der Wohnung des Steuerpflichtigen kann nicht objektiv überprüft werden. Auch ein sog. Nutzungszeitenbuch stellt für den BFH keine geeignete Grundlage für eine Aufteilung an, da die darin enthaltenen Angaben keinen über eine bloße Behauptung des Steuerpflichtigen hinausgehenden Beweiswert hätten. Außerdem fehlt es an Maßstäben für eine schätzungsweise Aufteilung der jeweiligen Nutzungszeiten. Aus diesem Grund wäre eine sachgerechte Abgrenzung des betrieblichen bzw. beruflichen Bereichs von der privaten Lebensführung im Fall einer Aufteilung nicht gewährleistet.

Mit seiner Ablehnung der Aufteilung stimmt der BFH mit dem Beschluss des Großen Senats des BFH vom 21.09.2009 (GrS 1/06, BStBl. II 2010, 672) überein: Danach sind Reiseaufwendungen bei gemischt beruflichen bzw. betrieblichen und privat veranlassten Reisen nach Maßgabe der Zeitanteile der Reise aufteilbar. Dies kam keine Bedeutung zu, da § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG eine allgemeinen Grundsätzen vorgehende Spezialregelung ist.

Der Große Senat konnte daher die vom X. Senat des BFH aufgeworfene Frage offenlassen, ob es sich bei derartigen Aufwendungen mangels objektiv nachprüfbarer Kriterien dem Grunde nach überhaupt um anteilige Werbungskosten oder Betriebsausgaben handelt.

Allerdings ist nun geklärt, dass Aufwendungen für eine sog. „Arbeitseckenicht abzugsfähig sind, da derartige Räume schon ihrer Art und ihrer Einrichtung nach erkennbar auch privaten Wohnzwecken dienen.

Quellen: Pressemitteilung des BFH vom 27.01.2016 (Nr. 6/16) bzw. BFH-Urteil vom 27.07.2015 – GrS 1/14

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