Entfernungspauschale: Hin- und Rückfahrt an verschiedenen Tagen

Entfernungspauschale | erste Tätigkeitsstätte | Gleichbehandlung

Das Finanzgericht Münster hatte in seinem Urteil vom 14.07.2017 zu entscheiden, ob die Entfernungspauschale für Fahrten zum Beschäftigungsort auch dann nur einmal zu gewähren ist, wenn die Rückfahrt auf einen anderen Tag als die Hinfahrt fällt (6 K 3009/15 E).

Hintergrund

Zum Urteil

Aufgrund seiner Tätigkeit ist der klagende Flugbegleiter häufig über mehrere Tage im Einsatz. Für das Streitjahr 2014 beantragte der Kläger daher den Ansatz sämtlicher Fahrtkosten zu seinem Beschäftigungsort nach Dienstreisegrundsätzen – was das Finanzamt so nicht anerkannte. Stattdessen berücksichtigte es nur die Entfernungspauschale. Wenn bei den Arbeitseinsätzen die Rückfahrt nicht am selben Tag vorgenommen wurde wie die Hinfahrt, gewährte das Finanzamt die Entfernungspauschale zudem nur einmal. Dagegen klagte der Flugbegleiter.

Zur Urteilsentscheidung

Die Münsteraner Finanzrichter gaben dem Finanzamt recht: Auch sie entschieden, dass die Entfernungspauschale für Fahrten eines Flugbegleiters zum Beschäftigungsort auch dann nur einmal zu gewähren ist, wenn dieser nicht am selben Tag zurückfährt.

Der Kläger kann zunächst nur die Entfernungspauschale beanspruchen, da sein Beschäftigungsort als erste Tätigkeitsstätte anzusehen ist. Dies ergebe sich daraus, dass der Flugbegleiter sich für den typischen Arbeitseinsatz immer im Gebäude seines Arbeitgebers an dem im Arbeitsvertrag genannten Beschäftigungsort einzufinden hatte. Dort befinden sich außerdem sowohl die Briefingräume als auch das Postfach des Klägers. Von einem anderen Ort aus habe er niemals seine Einsätze begonnen.

Die Entfernungspauschale sei nur einmal pro Hin- und Rückfahrt anzusetzen. Die Pauschale ist laut den Richtern für jeden Tag zu gewähren, an dem der Arbeitnehmer seine erste Tätigkeitsstätte von seiner Wohnung aus aufsucht. Sobald die Rückfahrt an einem anderen Tag erfolgt, ist kein weiterer Werbungskostenabzug vorgesehen.

Diese Auslegung führe auch zu einer sachgerechten Abbildung der wirtschaftlichen Belastung und zu einer Gleichbehandlung aller Arbeitnehmer. Die Gegenauffassungen, wonach die Entfernungspauschale nur bei einem arbeitstäglichen Hin- und Rückweg in Betracht komme bzw. im Fall lediglich einer kalendertäglichen Hin- oder Rückfahrt jeweils nur die hälftige Entfernungspauschale anzusetzen sei, würden weder im Gesetz noch in den Gesetzesmaterialien eine Stütze finden.

Die Richter ließen eine Revision beim Bundesfinanzhof zu: Denn zum einen sind bereits mehrere Verfahren vor dem BFH zum Vorliegen einer ersten Tätigkeitsstätte anhängig. Zum anderen ist die Frage, ob die Entfernungspauschale auch für die Tage anzusetzen ist, an denen der Steuerpflichtige nur eine Strecke zwischen erster Tätigkeitsstätte und Wohnung zurücklegt, zur Rechtslage nach Einführung einer Entfernungspauschale noch nicht höchstrichterlich entschieden  (Az.: VI R 42/17).

Quellen: Newsletter September 2017 vom 15.09.2017 und Urteil des FG Münster vom 14.07.2017 (6 K 3009/15)

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