Bewertung von Sachbezügen: 96%-Regelung

Sachbezüge | 96%-Regelung | Praxisbeispiel | Norma Ebeling-Kapitz
Bewertung von Sachbezügen

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Nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG sind alle Einnahmen, die nicht in Geld bestehen (Wohnung, Kost, Waren, Dienstleistungen und sonstige Sachbezüge), mit den um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen am Abgabeort anzusetzen. Dabei handelt es sich um eine grundsätzliche Bewertungsvorschrift, die stets anzuwenden ist, sofern sich nicht noch eine spezielle Bewertungsvorschrift ergibt, die der allgemeinen Bewertung vorgeht.

Der übliche Endpreis einer Ware oder Dienstleistung ist der Preis, der im allgemeinen Geschäftsverkehr vom Endverbraucher in der Mehrzahl der Verkaufsfälle für gleichartige Waren oder Dienstleistungen tatsächlich gezahlt wird. Dabei sind die Preisverhältnisse am Abgabeort maßgebend. Da der übliche Endpreis auch die Umsatzsteuer mit einschließt, handelt es sich also um einen Bruttopreis. Auch sonstige Preisbestandteile werden mit berücksichtigt. Üblicherweise gewährte Preisnachlässe dürfen bei der Feststellung des üblichen Endpreises gemindert werden. Unter Umständen ist der übliche Endpreis nach objektiven Gesichtspunkten zu schätzen.

Gemäß R 8.1 Abs. 2 Satz 9 LStR ergibt sich eine Vereinfachungsvorschrift für die Ermittlung des üblichen Endpreises. Danach kann der um 4 % geminderte Angebotspreis, mit dem die Waren oder Dienstleistungen an fremde Endverbraucher im allgemeinen Geschäftsverkehr angeboten werden, angesetzt werden (sog. 96%-Regelung).

Zum 01.01.2015 wurde in die LStR die bereits bisher geltende Verwaltungsauffassung aufgenommen, dass der 4%-Abschlag bei der Bewertung von Sachbezügen nicht vorzunehmen ist, wenn

  • bereits der günstigste Preis am Markt angesetzt wird,
  • ein Sachbezug durch eine (zweckgebundene) Geldleistung der Arbeitgebers verwirklicht wird oder
  • ein Warengutschein mit Betragsangabe hingegeben wird.

 

Praxisbeispiel:

Der Arbeitgeber schenkt seinem Arbeitnehmer anlässlich eines erfolgreichen Geschäftsabschlusses eine Kiste mit sechs Flaschen Wein, die er im Ort für 48,00 Euro erworben hat. Recherchen im Inrternet ergeben, dass er diese Kiste bei einem Händler für 45,00 Euro inkl. Versandkosten hätte bestellen können.

 

Ortsüblicher Preis (96%-Regelung):

Kaufpreis der Kiste Wein: 48,00 Euro
4 % pauschaler Abschlag: – 1,92 Euro
Verbleibender steuerlich maßgebender Wert: 46,08 Euro

Der Sachbezug im Wert von 46,08 Euro übersteigt die 44-Euro-Grenze (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG) und ist damit steuer- und sozialversicherungspflichtig.

 

Günstigster Preis am Markt:

Anstelle des ortsüblichen Preises (96%-Regelung) kann der Sachbezugswert mit dem günstigsten Preis am Markt bewertet werden (Wahlrecht).

Internetangebot für eine Kiste Wein: 45,00 Euro
ohne 4 % pauschalen Abschlag: – 0,00 Euro
Verbleibender steuerlich maßgebender Wert: 45,00 Euro

Der Sachbezug übersteigt auch bei dieser Bewertungsmethode die 44-Euro-Grenze und ist damit steuer- und sozialversicherungspflichtig.

 

Quelle: Auszug aus dem Praxishandbuch „Das aktuelle Reisekosten- und Bewirtungsrecht“ (Forum Verlag Herkert GmbH) von Norma Ebeling-Kapitz

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