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07.11.2022 | ARBEITSSCHUTZ & ARBEITSSICHERHEIT

Für einen umfassenden Arbeitsschutz müssen Arbeitgeber/innen unterschiedliche Risikofaktoren beachten. Das weiß auch Risiko-Coach Holger Schumacher, der viele Jahre als Stuntdouble bei „Alarm für Corba 11“ tätig war. Nach einem schweren Arbeitsunfall verließ er das Filmset und ist heute u. a. für die AKADEMIE HERKERT als Coach in Sachen Arbeitsschutz tätig. Wir haben ihn zu seinen bisherigen Erfahrungen und seinem Weg zum Arbeitsschutz befragt.

Arbeitsschutz und Stuntmen Interview Holger Schumacher
Holger Schumacher ist ehemaliger Stuntman und heute u. a. als Coach in Sachen Arbeitsschutz tätig. (Bild: © Holger Schumacher)

AKADEMIE HERKERT: Herr Schumacher, wie sah Ihr typischer Arbeitstag als Stuntman aus?

Holger Schumacher: Den typischen Arbeitstag gab es nicht. Viele Menschen glauben, dass wir nur zu den Stunts ans Set fahren und dann Feierabend haben. Aber der Stunt selbst sind nur 5% der eigentlichen Arbeit. Es geht los mit der Entwicklung und Planung der Stunts, dann machen wir auch die kompletten Vorbereitungen selbst, das nimmt eine Menge Zeit in Anspruch. Und wenn wir Stunts zum ersten Mal machen, gehören auch verschiedene Tests und Trainings zum Alltag. Darüber hinaus bereiten wir auch Schauspieler für Dreharbeiten vor und und und….

Das klingt in jedem Fall abwechslungsreich. Welche Rolle spielt der Faktor Arbeitssicherheit in der Arbeit eines Stuntman?

Wir setzen bei jedem unserer Stunts (ganz offensichtlich) unsere Gesundheit und auch teilweise unser Leben aufs Spiel. Das habe ich auch schon am eigenen Leib erfahren müssen. Genau aus diesem Grund ist das Thema Arbeitssicherheit so entscheidend und deshalb leben wir dieses Thema bei allem, was wir tun.

Hier steht vor allem die spezielle Risiko-Kultur im Fokus die es überhaupt erst möglich macht, dass wir am Ende Stunts sicher durchführen können. Denn wir haben kaum klare externe Vorgaben für die sichere Umsetzung von Stunts. Daher ist die Einschätzung und Reduzierung von Risiken ein zentraler Bestandteil unserer Tätigkeit. Alle im Team haben einen Blick für das Risiko und tauschen sich über Wege aus, den Stunt sicherer zu machen.

Dann haben Sie so bereits einige Erfahrung in punkto Sicherheit am Arbeitsplatz gesammelt. Welche Bereiche im Arbeitsschutz werden Ihrer Meinung nach noch zu wenig behandelt?

In den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten hat sich im Arbeitsschutz eine Menge getan, was gut ist. Aber es ging in erster Linie immer darum, dass Sicherheitsexperten dafür gesorgt haben, dass Mitarbeiter sicher sind. Aber meiner Meinung nach hat es leider auch einen negativen Effekt mit sich gebracht: Die Mitarbeiter fühlen sich „zu sicher“ und haben verlernt selbst die Risiken zu beurteilen (bzw. haben es nie gelernt).

Dadurch kommt es immer wieder zu Unfällen, gerade in Situationen, wo ihnen keiner genau gesagt hat, was sie tun oder auch nicht tun sollen. Sie müssen Ihre Risikokompetenz verbessern. So könnten so viele Unfälle verhindert werden.

Können Sie uns ein konkretes Beispiel nennen, in dem Ihre Erfahrung als Stuntman einem Unternehmen in Sachen Arbeitsschutz geholfen hat?

Ich versuche eigentlich immer Individuelle Lösung für meine Kunden und deren Probleme zu finden. Vom experimentellen Format „RiskBuster Next Generation“, um Azubis mal auf andere Art und Weise für Gefährdungen zu sensibleren, über die Adaption von speziellen Stunt-Ritualen im Arbeitsalltag bis hin zum Upgrade der Präventionskultur. Aktuell habe ich zwei sehr spannende konkrete Projekt im Kopf, die gut als Beispiel dienen.

Beispiel 1: Für mich hat das „Last Minute Risk Assessement“ (LMRA) einen sehr hohen Stellenwert, denn es ist aus meinem Unfall entstanden (und hätte diesen vermutlich auch verhindert). Ein Kunde von mir hat für seinen technischen Außendienst genau so etwas gesucht. Daher habe ich einen Workshop entwickelt, in dem die Mitarbeiter selbst Ihr LMRA entwickeln und gestalten konnten. Das war ein voller Erfolg, da die Beteiligung an der Entwicklung nicht nur zu einem praxisnahen Ergebnis geführt hat, sondern auch die Bereitschaft es umzusetzen enorm hoch war.

Beispiel 2: Aktuell führe ich für einen großen Konzern in Deutschland ein eigens entwickeltes Seminarkonzept durch. Darin bringen wir die Sicherheitsbeauftragten und Führungskräfte zusammen. Ich zeige Ihnen, wie Stuntmen und Regisseure zusammenarbeiten. Das übertragen sie anschließend in dem Workshop selbst anhand verschiedener Herausforderungen und Aufgaben in ihren eigenen Arbeitsalltag. Dabei sind an den Standorten schon sehr viele spannende Dinge entstanden.

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick, Herr Schumacher!

 

Zur Person: Holger Schumacher ist Risiko-Coach für den Arbeitsschutz und ehemaliger Stuntman. Nach dem Abitur machte er zunächst eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Über einen Fernsehbericht wurde er auf das Berufsfeld des Stuntman aufmerksam und kam durch ein Praktikum das erste Mal an das Set der Fernsehserie „Alarm für Cobra 11“.

Kurze Zeit nach dem Praktikum kündigte Schumacher seinen Job als Physiotherapeut und arbeitete anfänglich in kleinen Stunt-Teams, bevor er wenig später zu „Alarm für Cobra 11“ zurückkehrte. Dort durfte er einige Jahre als Stuntdouble für den Hauptdarsteller arbeiten, bis er im Jahr 2008 einen schweren Unfall am Filmset erlitt.

Nach der Genesung wollte Schumacher ursprünglich wieder als Stuntman aktiv werden, entschied sich schließlich jedoch dagegen und wechselte hinter die Kamera. Er studierte Film und eröffnete eine eigene Beratungs- und Kommunikationsagentur. Mit ihr unterstützt er seine Kunden bei der Umsetzung von Stunts, Extremsportaufnahmen oder anderen gefährlichen Dreharbeiten und produziert auch selbst z. B. Marketingfilme, die auf Stunts spezialisiert sind. Zudem arbeitet Schumacher als Coach für die Bereiche Arbeitssicherheit und Umgang mit Risiken, z. B. für die Online-Live-Tagung „Work Safety Day“ der AKADEMIE HERKERT.

 

Augsburg, 07.11.2022
Online-Redaktion AKADEMIE HERKERT

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