Namhafte Experten vermitteln auf der Jahrestagung Elektrosicherheit die rechtlichen Änderungen für die betriebliche Praxis in der Elektrosicherheit. Dipl.-Ing. Burkhard Norbey, technischer Aufsichtsbeamter und Prüfstellenleiter der Berufsgenossenschaft, moderiert die Tagung und informiert über aktuelle Entwicklungen und Neuerungen 2017/2018.

Die Änderungen der DIN VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“ werfen noch immer Fragen auf und sind für Elektrofachkräfte nach wie vor eine Herausforderung. Die Teilnehmer erhalten deshalb wertvolle Tipps und Tricks vom technischen Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaft, Joachim Thiel. Ab 19.12.2017 muss die DIN VDE 0100-420 angewendet werden, die für Neuanlagen und bei Erweiterung oder Änderung von bestehenden Anlagen gilt. Wie Elektrofachkräfte Problemursachen von Abnehmer-Netzrückwirkungen und geminderter Elektroenergiequalität erkennen, klärt Alfred Zscheppang in seinem Vortrag.

Auf der Tagung diskutieren Elektrofachkräfte diese und weitere aktuelle Entwicklungen und Neuerungen in der Elektrosicherheit. Die Experten zeigen, wie Sicherheitsbestimmungen richtig erfüllt und praktisch umgesetzt werden. Zudem bietet die Veranstaltung den Teilnehmern ausreichend Zeit zum Erfahrungsaustausch sowie die Möglichkeit, individuelle Fragen mit den Experten zu klären.

Die Jahrestagung Elektrosicherheit in der Praxis findet dieses Jahr am 14.11.2017 in Kassel, am 21.11.2017 in Stuttgart und am 29.11.2017 in Berlin statt. Weitere Informationen zum Programm, den Referenten und die Möglichkeit zur Anmeldung für die Jahrestagung Elektrosicherheit in der Praxis der AKADEMIE HERKERT finden Interessenten unter www.tagung-elektrosicherheit.de.

Am 01. Juni 2017 ist die neue Norm DIN VDE 0100-600 „Errichten von Niederspannungsanlagen“ in Kraft getreten.

Zusätzlich betreffen die Neuerungen der Norm auch Wiederholungsprüfungen gem. DIN VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“ und betreffen damit alle Unternehmen, die ortsfeste elektrische Anlagen betreiben und den beschriebenen Prüfpflichten unterliegen. Letztlich gilt: Ob Erst- oder Wiederholungsprüfungen anstehen, wer auch zukünftig rechtssicher prüfen möchte, muss die Änderungen der neuen Norm kennen und umsetzen.

Zu den wichtigsten Änderungen gehören u. a. Anpassungen bei der Prüfung der Spannungspolarität, der Isolationswiderstandsmessung und der Prüfung der Durchgängigkeit bei Verbindungen zu den Körpern.

  • Die wichtigsten Neuerungen für Sie im Überblick:
  • Beim Messen und Erproben soll künftig die Prüfung der Spannungspolarität vor dem Prüfen des Schutzes durch automatische Abschaltung erfolgen.
  • Die Erläuterungen zur Prüfung der Spannungspolarität wurden deutlich ausgeweitet.
  • Die Prüfung der Durchgängigkeit durch eine Widerstandsmessung neben den Schutzleitern und Schutzpotenzialausgleichsleitern muss auch bei Verbindungen zu den Körpern durchgeführt werden.
  • Die Isolationswiderstandsmessung soll künftig auch zwischen aktiven Leitern und nicht nur zwischen aktiven Leitern und dem Schutzleiter durchgeführt werden.
  • Überspannungseinrichtungen oder andere elektrische Betriebsmittel, die die Messung beeinflussen oder dabei beschädigt werden können, sollen vorher abgeklemmt werden.
  • Künftig ist es zulässig, den Erderwiderstand unter Verwendung geeigneter Werte auch zu berechnen, wenn dessen Messung nicht möglich ist. Anstelle des Messergebnisses ist die Berechnung zu dokumentieren.
  • Die Auflistung der Messverfahren zur Bestimmung des Spannungsfalls wurde überarbeitet.
  • Es wurde ein neuer Nationaler Anhang aufgenommen, der eine Auswahl zusätzlicher Prüfungen für bestimmte Anwendungsfälle wie die Prüfung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen und das Prüfen des Schutzes gegen elektrischen Schlag bei Einsatz von Frequenzumrichtern enthält.

Diese Neuerungen und andere kleinere Anpassungen müssen allen mit der Prüfung elektrischer Anlagen beauftragten Elektrofachkräften bekannt sein. Falls nicht, hilft das Seminar Prüfung ortsfester elektrischer Anlagen und Wiederholungsprüfung von Maschinen um auch zukünftig reibungslos und vorschriftsgemäß zu prüfen. An nur einem Tag klären Teilnehmer ihre aktuelle Problem- und Fragestellungen und erlangen Entscheidungssicherheit, wenn es an die Umsetzung der neuen Regelungen geht.

Neue Vorschriften in der Elektrosicherheit zuverlässig anwenden Der Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel stellt hohe Anforderungen an Elektrofachkräfte. Für die tägliche Arbeit bringen die Neuregelungen aus den aktuellen DGUV Vorschriften und die novellierte Betriebssicherheitsverordnung wesentliche Änderungen.


Wer ortsfeste Anlagen und Maschinen betreibt, muss diese regelmäßig prüfen- so sehen es die entsprechenden Rechtsgrundlagen vor. Was allerdings unmittelbar verbindlich ist und wie die Anforderungen in der Praxis umgesetzt werden können, ist vielen Verantwortlichen nicht klar. Diesen Fragen geht Diplom-Ingenieur Karl Donath im Seminar gemeinsam mit den Teilnehmern auf den Grund.

Der folgende Rückblick bezieht sich auf einen Seminarbesuch am 30.01.2018 in Stuttgart.

Der Teilnehmerkreis ist an diesem Tag bunt gemischt und erstreckt sich vom Sachverständigen über den Vertriebsmitarbeiter bis hin zur verantwortlichen Elektrofachkraft, FaSi oder Betriebsleiter. So unterschiedlich der Teilnehmerkreis auch ist, haben doch alle vorwiegend eines im Sinn: Zu erfahren, wie rechtssicher geprüft werden kann.

Rechtsgrundlagen: Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind beim Prüfen zu beachten?
 
Abbildung 1: Folie 6 der Teilnehmerunterlagen (Bereich Recht)

Abbildung 1: Folie 6 der Teilnehmerunterlagen (Bereich Recht)

Unmittelbar rechtsverbindlich sind nationale und EU-weite Gesetze sowie nationale Verordnungen und die Vorschriften der Unfallversicherungsträger. 

Die Betriebssicherheitsverordnung legt in den Paragraphen 3 (Gefährdungsbeurteilung), 4 (Grundpflichten des Arbeitgebers), 5 (Anforderungen an Arbeitsmittel) und 14 (Prüfung von Arbeitsmitteln) verbindlich die Rahmenbedingungen zum Prüfen fest, und zwar mit dem Ziel der Gewährleistung der Gesundheit und Sicherheit von Beschäftigten. 

Nicht unmittelbar verbindlich sind hingegen die Anforderungen der Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS). Werden die TRBS allerdings befolgt, so ist gesichert, dass die Anforderungen des § 4 BetrSichV eingehalten sind. Eine Abweichung von den TRBS ist also zulässig, muss aber gut begründet und dokumentiert sein. 

Neben der Betriebssicherheitsverordnung sind auch die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) rechtsverbindlich. Ihre Nichteinhaltung kann als fahrlässige oder vorsätzliche Ordnungswidrigkeit bzw. Straftat geahndet werden. Insbesondere die DGUV Vorschrift 3 und die DGUV Vorschrift 4 (für Betriebe der öffentlichen Hand) sind relevant für die Prüfung ortsfester elektrischer Anlagen. 

Ähnlich wie die TRBS sind auch die in der obigen Grafik abgebildeten weiteren Normen und Regeln an sich nicht rechtsverbindlich. Allerdings fordern einige Gesetze und Vorschriften (so auch die DGUV) die Einhaltung bestimmter Normen und Regeln – z.B. der Elektrotechnischen Regeln in den VDE-Bestimmungen. VDE-Normen sind also zu beachten, es sei denn es wird eine „ebenso wirksame andere Maßnahme getroffen“ (DGUV Vorschrift 3 §2 (1)). In diesem Fall muss unbedingt dokumentiert und nachgewiesen werden, dass die getroffene Maßnahme tatsächlich ebenso wirksam ist, andernfalls wird auch hier von einem Sorgfaltsverstoß und von fahrlässigem Handeln ausgegangen.

Geprüft und für gut befunden: Welches Vorgehen empfiehlt sich für die Prüfung elektrischer Anlagen?

Die DIN VDE 0100-600 (Errichten von Niederspannungsanlagen) und 0105-100 (Betrieb von elektrischen Anlagen) legen folgendes Vorgehen für die Prüfung ortsfester elektrischer Anlagen fest: 

  1. Besichtigen
  2. Messen und Erproben
  3. Dokumentieren


Die Besichtigung als erster Schritt der Prüfung dient dem Nachweis der ordnungsgemäßen Beschaffenheit der Anlage. Folgende Punkte müssen in diesem Schritt nachgewiesen werden:

  • Die Anlage entspricht den Sicherheitsanforderungen der Betriebsmittelnormen.
  • Die Anlage wurde entsprechend der DIN VDE 0100 und entsprechend der Herstellerangaben gewählt und errichtet.
  • Die Anlage ist ohne sichtbare Mängel oder Beschädigungen für die Sicherheit.

Dazu muss u.a. geprüft werden, ob folgende Normen erfüllt sind: VDE 0100-410, VDE 0100-420, VDE 0100-430, VDE 0100-510, VDE 0100-520, VDE 0100-530, VDE 0100-540, VDE 0298-4.

Das Messen und Erproben dient dem Nachweis der ordnungsgemäßen Funktion der elektrischen Anlage. In diesem zweiten Schritt empfiehlt sich folgende Reihenfolge für die Prüfungen:

  • Messung der Durchgängigkeit der Schutzleiter, Schutzpotentialausgleichsleiter und des zusätzlichen Schutzpotentialausgleichs
  • Messung des Isolationswiderstands
  • Prüfung der Trennung der Stromkreise durch SELV, PELV und Schutztrennung
  • Messung Widerstände bzw. Impedanzen von isolierenden Fußböden und Wänden
  • Prüfung der Spannungspolarität
  • Prüfung der automatischen Abschaltung der Stromversorgung
  • Überprüfung der zusätzlichen Schutzmaßnahmen auf Wirksamkeit
  • Prüfung der Phasenfolge
  • Prüfung der Einhaltung des maximal zulässigen Spannungsfalls
  • Funktionsprüfung von einzelnen Baugruppen, Schutz- und Sicherheitseinrichtungen sowie Melde- und Anzeigeeinrichtungen

Die Prüfreihenfolge sollte dabei unbedingt beachtet werden, Abweichungen nur im Einzelfall und von erfahrenem Prüfpersonal vorgenommen werden.

Mit der Dokumentation der Ergebnisse der Schritte 1 und 2 schließt die Prüfung ab. Um Prüfungen rechtssicher durchzuführen, muss unbedingt eine exakte Dokumentation erfolgen, damit im Konfliktfall auf eine Argumentationsbasis zurückgegriffen werden kann. Auch für die Wiederholungsprüfung stellt die Dokumentation der letzten Prüfung eine wichtige Grundlage dar. Hierzu muss Folgendes festgehalten werden:

  • Details des Anlagenumfangs 
  • Aufzeichnung der Besichtigung
  • Aufzeichnung über die geprüften Stromkreise (jeder Stromkreis inkl. Schutzeinrichtungen) 
  • Aufzeichnung über Ergebnisse des Erprobens und der Messungen

Zusätzlich darf der Prüfbericht Empfehlungen für Reparaturen oder Verbesserungen enthalten und sollte eine Empfehlung für den Zeitraum der wiederkehrenden Prüfung geben (im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben). Die Dokumentation ist mindestens bis zur nächsten Prüfung aufzubewahren, Herr Donath empfiehlt allerdings eine langfristige Aufbewahrung aller Prüfberichte.

Fazit
Das Prüfen ortsfester elektrischer Anlagen ist insgesamt sehr streng reglementiert und stellt hohe Anforderungen an den Prüfer. Soviel war den Teilnehmern bereits vor dem Seminar klar. Aus dem Seminar konnten die Teilnehmer vor allem Hinweise dazu mitnehmen, wo sie die rechtlichen Grundlagen für eine rechtssichere Prüfung finden können und wie sie in der Praxis damit umgehen müssen, um den hohen Anforderungen gerecht zu werden. Besonders hilfreich war der Austausch zwischen den Teilnehmern und mit dem Referenten – so konnten einige Best-Practice-Lösungen erarbeitet werden, mit denen die Teilnehmer künftig prüfen werden.

Merching, 02.02.2018
Denise Burba, Produktmanagement AKADEMIE HERKERT