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Wie motiviere ich meine Mitarbeiter? Was wird von mir als Führungskraft zum Thema Motivation erwartet? Entsteht Motivation durch „andauerndes Loben“, oder doch eher durch ein Deutlichmachen von Sanktionsmöglichkeiten?

Fragen über Fragen. Ist Mitarbeitermotivation also ein kompliziertes Thema?

Nein, ist es nicht. Die eigentliche Kunst besteht aber darin, Mitarbeiter nicht zu demotivieren.

Autorin: Michaela Diesch, blickReich GbR, Referentin für Systemische Beratung und Coaching
Autorin: Michaela Diesch, blickReich GbR, Referentin für Systemische Beratung und Coaching

Wie entsteht Motivation?

Es gibt unzählige Studien und psychologische Modelle dazu, warum Menschen motiviert sind, bestimmte Dinge zu tun, oder eben nicht zu tun.

Die Maslow-Pyramide ist vielleicht einigen ein Begriff, oder das Konzept der „Fünf Quellen der Motivation“ (von John Barbuto und Richard Scholl). Wenn man sich durch diverse Publikationen arbeitet, sind einige Kern- und Überschneidungspunkte der verschiedenen Theorien erkennbar.

Zum einen speist sich menschliche Motivation aus zwei großen Hauptquellen: Der intrinsischen und der extrinsischen Quelle.

Intrinsische Motivationsquellen sind:

  • Motivation aus der Aufgabe – „Die Arbeit/Aufgabe an sich macht Spaß“
  • Motivation aus der Person – „Man kann mit seinen persönlichen Werten und an seinen persönlichen Zielen arbeiten“

Extrinsische Motivationsquellen sind:

  • Motivation durch (materiellem) Anreiz – Einkommen, Dienstwagen, Status
  • Motivation durch das Umfeld – Anerkennung, Lob, Auszeichnungen

Zum anderen beruht Motivation auf der Befriedigung von bestimmten Grundbedürfnissen des Menschen. Die zwei amerikanische Psychologen Edward L. Deci und Richard M. Ryan haben dazu ihre Selbstbestimmungstheorie formuliert (Self-Determination Theory, SDT).

Dabei nennen sie drei psychische Grundbedürfnisse, die jeder Mensch hat:

  • Bedürfnis nach Kompetenz (effectancy)
  • Bedürfnis nach Autonomie/Selbstbestimmung (autonomy)
  • Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit (affiliation)

Insbesondere die Bedürfnisse nach Kompetenz und Autonomie können, wenn sie erkannt und erfüllt werden, zu einer intrinsischen Motivationsquelle werden. Denn aus der Erfüllung dieser beiden Bedürfnisse heraus, lernen schon Kinder ganz viele Dinge von selbst. Das alleinige Tun ist bereits Belohnung genug.

Motivation ist also ein Gut, oder nennen wir es „Pflänzchen“, das von selbst wächst, wenn das Umfeld und die Umstände das Wachstum zulassen.

Glyphosat gegen „wuchernde Mitarbeitermotivation“

Manchmal ist es leichter zuerst einen Blick auf die Dont´s zu werfen, bevor man sich der To-Do-Liste widmet. Wie kann man das „Pflänzchen“ Mitarbeitermotivation als Vorgesetzter beziehungsweise als Unternehmen also mit absoluter Sicherheit zum Verdorren bringen?

  • Geben Sie wenn möglich unklare Anweisungen, je doppeldeutiger desto besser.

  • Fordern Sie möglichst viel, ohne die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen.

  • Kontrollieren Sie die Aufgabendurchführung Ihrer Mitarbeiter permanent und geben Sie möglichst wenig Raum für Eigeninitiative

  • Erklären Sie möglichst häufig, dass die Aufgabe des Mitarbeiters ohnehin unbedeutend ist.

  • Loben Sie möglichst selten

  • Behandeln Sie Ihre Teammitglieder möglichst ungleich

  • Holen Sie für sich als Führungskraft viele Sonderkonditionen heraus, von denen Ihre Mitarbeiter natürlich nicht profitieren.

  • Nun noch ein bisschen schwarzsehen für die Zukunft des Unternehmens, oder verdeutlichen, dass man selbst allein aus seinem vorbildlichen Pflichtgefühl heraus Motivation für die täglichen Aufgaben findet.

Schon ist es fertig, das Glyphosat für die Mitarbeitermotivation!

Alles übertrieben? Zugegeben – ein bisschen. Doch in jeder Übertreibung findet sich ein Körnchen Wahrheit. Und ist es nicht auch eine schöne Vorstellung, dass Mitarbeitermotivation eben nicht dem Esel-Karotten-Bild folgt?

Mitarbeitermotivation – Wie?

Wenn wir bei dem Bild vom Esel mit der Karotte bleiben, fällt Geld zu Motivationszwecken flach. Denn natürlich sollte jeder Mitarbeiter leistungsgerecht bezahlt werden und natürlich freut sich auch jeder Mitarbeiter über eine Gehaltserhöhung. Aber wenn die restlichen Faktoren die Mitarbeitermotivation nicht erhalten, wird der monetäre Aspekt zu geringe Motivation nicht ausgleichen.

Auch die Angst vor Sanktionen ist nur ein bedingt nützliches Instrument. Zu schnell tritt ein Gewöhnungseffekt ein, der zu einem gedanklichen – und demotivierenden – „Na dann kündigt mir halt“ führen kann.

Sie sind gerade erst Team- oder Projektleiter geworden und wollen Ihre Position optimal ausfüllen, in dem Sie Ihre Mitarbeiter richtig motivieren? Dann besuchen Sie doch unser Seminar „Führen ohne Vorgesetztenfunktion“, in dem Sie unter anderem lernen, wie Sie Mitarbeiter motivieren Spitzenleistungen zu bringen!

Umsetzungstipps – Wie Sie Ihre Mitarbeiter motivieren

Es gibt mehrere Faktoren die sehr hilfreich sind, wenn es darum geht, als Vorgesetzter die Mitarbeitermotivation zu erhalten.

Die folgenden basieren auf den Erkenntnissen von Dr. Dobler und seinem Team. 

Zitat Dr. Dobler:

„Menschen wollen wissen Wozu, dann ertragen sie auch das Wie.“

 

1. Bedeutsamkeit

Menschen ist es wichtig, dass ihre Tätigkeit auch eine Bedeutung für den unternehmerischen Erfolg hat. Diese Bedeutung muss nicht riesig sein, aber ersichtlich.
Sagen Sie Ihrem Mitarbeiter warum seine Tätigkeit wichtig ist. Gerade bei unbeliebten Aufgaben ist es noch wichtiger auf die Bedeutung und das anvisierte Ziel zu verweisen.

2. Tätigkeitswirkung

Mitarbeiter bzw. Menschen allgemein wollen eine Wirkung durch ihr Tun erzielen. Eine gemeinschaftliche und realistische Zielentwicklung, die sowohl vom Mitarbeiter als auch von der Führungskraft getragen wird, kann ein bedeutender Motor für Motivation auf beiden Seiten sein.

3. Glaubwürdigkeit des Vorgesetzten

Führungskräfte haben Vorbildcharakter, die Kongruenz zwischen Aussage und Handlung des jeweiligen Vorgesetzten hat für die Mitarbeiter eine starke Signalwirkung. Ein kritisches Hinterfragen des eigenen Umgangs mit Anforderungen von „Oben“, Stress und Neueinführungen ist eine unerlässliche Grundlage, um die Motivation bei seinen eigenen Mitarbeitern zu erhalten.

4. Wertschätzung

Wer möchte nicht, dass die eigene Arbeit gesehen und auch wertgeschätzt wird? Regelmäßiges ehrlich gemeintes Lob wäre hier ein Erfolgsfaktor. Das setzt voraus, dass die Führungskraft genau weiß, wer für welchen Erfolg verantwortlich ist und dies auch zum Ausdruck bringt. Dabei ist allerdings wichtig, dass Lob sich auf konkrete Situationen oder Aufgaben beziehen muss. Ein allgemeines „Das haben Sie gut gemacht“ verpufft schnell.

5. Teamklima

Wer als Vorgesetzter in ein gutes Teamklima investiert, durch regelmäßigen moderierten Austausch, Teambuildingmaßnahmen, gemeinsames Mittagessen und gut durchdachter Arbeitsplatzergonomie, der hat einen weiteren Beitrag für das Wachsen der Mitarbeitermotivation geleistet. Denn Mitarbeiter, die sich wohl fühlen, sowohl im Team als auch in ihrer Arbeitsplatzumgebung, werden motivierter und auch stressresistenter an ihre Aufgaben herangehen.

6. Identifikation mit dem Unternehmen

Wenn die Ansichten und Werte des Mitarbeiters mit den Werten des Unternehmens konform gehen, steht einer wachsenden Motivation nichts im Weg. Leider hat sich in manchen Unternehmen eine Kultur eingeschlichen, die den Mitarbeiter nur noch als reinen Dienstleister sieht und nicht als das, was er ist: Die wertvollste Ressource, die ein Unternehmen hat.

Für die Führungskräfte also eine wichtige Frage: Wie ist unsere Unternehmenskultur? Wo muss ich als Vorgesetzter Themen nach oben eskalieren um Mitarbeitern den Raum für Motivation zu schaffen? Wo kann ich „Härten“ durch offene Kommunikation abmildern?

Sie sehen also, die Kunst liegt nicht darin, Mitarbeiter in die Motivation zu bekommen, sondern vielmehr die vorhandene Motivation zu erhalten und auszubauen.

Edgar Pisani drückte das so aus:

„Chef ist nicht der, der etwas tut, sondern der das Verlangen weckt, etwas zu tun.“

Viel Freude dabei!

In den Führungskräfte-Trainings der AKADEMIE HERKERT lernen Sie von erfahrenen Trainern, wie Sie Ihre Mitarbeiter optimal motivieren und führen.